ZWETSCHKENFLECK GANZ HOCH ODER „DIE GESCHICHTE VON DEN STEHENGELASSENEN BÄUMEN“

Zwetschken sind eigentlich meine absoluten Lieblingsfrüchte. Vor allem mag ich es sehr, Desserts mit Zwetschken zu kredenzen, weshalb ich immer ganz viel Zwetschkenröster einkoche. Irgendwie sind diese Früchte etwas Besonderes für mich. Leider findet man im Supermarkt allerdings nur selten wirklich gute Zwetschken. Die vom Garten und im Besonderen die von alten Bäumen sind geschmacklich meist unvergleichbar.

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Naja, als wir unser Häuschen gekauft hatten und entscheiden mussten, was denn vom ganzen Dschungel im Garten übrig bleiben sollte, wusste ich sofort, dass Nuss- und Zwetschkenbaum auf keinen Fall berührt werden durften. Es sollte ein harter Überzeugungskampf werden, denn niemand fand, dass die arme alte Zwetschke noch eine Berechtigung hatte, in unserem Garten zu bleiben. Schließlich konnte ich immerhin eine Befristung auf ein Jahr herausholen. 🙂 Sollte der Zwetschkenbaum Früchte tragen, würde ich ihn behalten dürfen, so die Vereinbarung. Ich konnte mein Grinsen kaum im Zaum halten, als ich im August die ersten Früchte im Baum entdeckte. Letztlich stehe ich nun mit zwei Kilo Ernte da!…und es gibt noch viel mehr Zwetschken im Baum. Es war eine regelrechte Geschmacksexplosion in meinem Mund, als ich die erste Frucht verkostete. 🙂

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Schnell war für mich klar, dass diese Kostbarkeiten in Form eines Zwetschkenflecks ihre absolute geschmackliche Vollendung erreichen würden.

Der Duft des frischen Germteigs versetzt mich sofort in meine Kindheit zurück. Meine Uroma war Meisterin auf diesem Gebiet und besonders an die Krapfen muss ich heute noch zurückdenken. Leider war ich damals noch zu uninteressiert, um mir die ganzen guten Rezepte aufzuschreiben, denn heute weiß irgendwie keiner wo sie sind. Dennoch finde ich, dass ich mein Rezept vom Zwetschkenfleck perfektioniert habe. Ich habe schon viele Rezepte probiert, mag ihn aber so am allerliebsten. Meistens sind auch alle anderen davon begeistert. 😉

ZUTATEN (für 1 oder 2 Blech, je nach Belieben)

Zwetschkenfleck

ca. 1kg Zwetschken

1 Würfel Germ (40g)

500g Mehl, glatt

80g Staubzucker

80g Butter, geschmolzen

4 Dotter

1 Ei

250 ml Milch

Prise Salz

Abrieb einer halben BIO-Zitrone

Schuss Rum

1 Esslöffel Vanillezucker

Staubzucker und Zimt zum Bestreuen

 

Streusel (für 1 Blech)

250g Mehl, glatt

125g Butter, kalt

60g Staubzucker

1 Dotter

1 Teelöffel Zimt

 

Ich beginne im Normalfall mit einem Dampfl (=Gärprobe).  Das ist zwar ziemlich ‚old school‘, hat aber meine Urli auch immer schon so gemacht. Es lässt sich darüber streiten, ob es geschmacklich irgendeinen Unterschied macht. Wichtig sind aber auf jeden Fall die separaten Gehzeiten nach jedem Schritt!

  1. Also, die Germ in 50 ml (von den 250 ml Milch!) lauwarmer Milch zerbröseln, mit einem Teelöffel Zucker (auch von den 80g Staubzucker) und 2-3 Esslöffel Mehl (auch von den 500g Mehl) verrühren und mit etwas Mehl bestauben. Schüssel entweder mit Deckel verschließen, oder mit einem Geschirrtuch zudecken und an einem warmen Ort ca. 20 Min. gehen lassen. Ich verpacke die Schüssel immer unter einer Decke. Bei meiner Urli war das immer die heikle Phase, denn wenn jemand während des Gehens des Germteigs die Tür aufmachte, wurde man schnell zurecht gewiesen. Der Luftzug ist nämlich des Germteigs größter Feind! 😉
  2. Währenddessen kann man das Mehl in die Rührschüssel der Küchenmaschine sieben, die Butter schmelzen, danach die Milch zur Butter schütten und die Dotter und das Ei ebenfalls zur Flüssigkeit geben. Jetzt wird die Flüssigkeit noch mit einer ordentlichen Prise Salz, einem Schuss Rum und der abgeriebenen Zitrone verfeinert.
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  3. Schließlich kann man dieses Gemisch zum Mehl schütten, das aufgegangene Dampfl (es müssen sich oben Risse bilden!) hinzugeben und alles mit dem Knethaken verrühren. Erst wenn keine Klumpen mehr vorhanden sind und der Teig so richtig schön glatt ist, kann man die Küchenmaschine ausschalten. Das dauert schon einige Minuten.
  4. Nun muss man den fertigen Teig wiederum zugedeckt an einem warmen Ort ca. 20 Min. gehen lassen. Sollte man keinen sehr hohen Zwetschkenfleck bevorzugen, sondern einen ganz dünnen, so kann man den Teig an der Stelle in zwei Stücke teilen.
  5. Nach dem Gehen sollte der Teig mindestens doppelt so groß geworden sein! Wenn das der Fall ist, kann man ihn auf eine ordentlich bemehlte Fläche geben und wieder ein bisschen zusammenschlagen.009_2.jpg007_1
  6. Es ist sehr wichtig, dass der Teig nicht zu fest ist, denn dadurch ist er auch nach dem Backen sehr fein, locker und auch saftig. Man darf dennoch beim Ausrollen nicht mit dem Mehl sparen, sonst wird es eine ziemlich klebrige Angelegenheit.008_1.jpg
  7. Den Teig ungefähr auf Blechgröße ausrollen und in die gebutterte und mit Mehl bestaubte Form legen. Nun kann man auch schon die entkernten und halbierten Zwetschken dicht aneinander in den Teig hineindrücken. Das ist ganz wichtig, weil der Teig stark aufgeht und die Zwetschken sonst mit in die Höhe gehen. 010_1.jpg
  8. Während der Teig nun noch einmal ein bisschen gehen darf (muss nicht zugedeckt sein), kann man sich, wenn man möchte, an die Streusel machen. Das ist eine Glaubensfrage. Ich muss sagen, dass ich ihn manchmal mit und manchmal ohne Streusel mache, je nach dem wie ich aufgelegt bin. 😉 Die Zutaten dafür einfach mit den Händen zu Streuseln verarbeiten und auf dem Zwetschkenfleck verteilen. 015014
  9. Nun kann das gute Stück auch schon mit Ober- und Unterhitze bei 175° C in den Ofen. Es dauert ungefähr 40 bis 45 Minuten bis der Zwetschkenfleck fertig ist und die Streusel schön gebräunt sind.

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10. Nach dem Auskühlen mit Zimtzucker bestreuen und servieren!

Wie man auf den Bildern erkennen kann, ist der Teiganteil in diesem Rezept sehr hoch. Wir mögen das alle sehr gern, weil der Teig eben auch nicht trocken ist. Ganz wichtig bei den meisten Germteigrezepten ist natürlich der frische Genuss der Mehlspeise, so auch beim Zwetschkenfleck. Am nächsten Tag ist er nämlich nur mehr halb so gut! 😉

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „ZWETSCHKENFLECK GANZ HOCH ODER „DIE GESCHICHTE VON DEN STEHENGELASSENEN BÄUMEN“

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